21. Mai 2026, 10:45-11:45 | Hamburg

#VMW beim Stiftungstag: Hört hin, was Förderpartner Stiftungen zu sagen haben: Impulse aus dem FörderMonitor 2026

Wie erleben Geförderte die Zusammenarbeit mit Stiftungen – und was können Stiftungen daraus für ihre eigene Praxis mitnehmen? Ein Gespräch mit drei Organisationen, die Förderung von Stiftungen erhalten.

Auf dem Deutschen Stiftungstag 2026 konnten wir dank der Unterstützung des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen dem FörderMonitor eine eigene Bühne geben. In der Paneldiskussion haben Vera Schernus (Referentin Stiftungen und Kooperationen, CARE Deutschland e.V.), Petra Lölkes (Geschäftsführung, Gesellschaft für Jugendbeschäftigung e.V.) und Sebastian Reißig (Geschäftsführer, Aktion Zivilcourage e.V.) die Daten des FörderMonitors mit ihren Erfahrungen aus der Praxis vertieft. Wir haben diskutiert: Was können Stiftungen verändern, damit ihre Förderung einen echten Unterschied macht?

 

Was Stiftungsförderung leisten kann

Petra Lölkes brachte ein eindrückliches Beispiel mit: Während der Corona-Pandemie musste der Verein schnell auf die veränderte Situation psychisch erkrankter Jugendlicher im Berufseinstieg zu reagieren. Eine Stiftung ermöglichte genau das: Keine langen Antragsverfahren, keine engen Vorgaben, sondern Flexibilität im Rahmen einer bereits bestehenden Förderberziehung.

Der FörderMonitor 2026 zeigt, wie sehr sich Förderpartner genau das wünschen: 68 Prozent der befragten Organisationen wünschen sich mehr Flexibilität bei der Mittelverwendung. Und doch erhalten 73 Prozent keine oder kaum ungebundene Fördermittel.

 

Was Förderpartnern das Leben schwer macht

In der Session entstand der konkrete Wunsch nach einer Checkliste auf der Website von Förderorganisationen. Fördersuchende Organisationen könnten so direkt einschätzen, ob sich der Aufwand einer Bewerbung lohnt. Eine einfache Lösung mit großer Wirkung:  Denn laut FörderMonitor wünschen sich 70 Prozent der Förderpartner, dass Stiftungen ihre Förderkriterien veröffentlichen. Laut Stiftungspanel 2024 des Bundesverbandes Deutscher Stiftungen haben nur 57 Prozent der fördernd tätigen Stiftungen Förderrichtlinien. Von dieser Gruppe veröffentlicht nur gut die Hälfte (52 Prozent) diese Richtlinien auch. Diese Fehlende Transparenz kostet Organisationen enorme Ressourcen bei der Antragstellung, die sich immer wieder auf neue Anforderungen einstellen muss. Vera Schernus brachte es auf den Punkt: „Kennst du eine Stiftung, kennst du EINE.“

41 Prozent der Förderpartner nennen unverhältnismäßige Berichtspflichten als größte Herausforderung. Vera schilderte aus ihrer Arbeit bei CARE internationale Ansätze, in denen Berichtspflichten stärker standardisiert sind, statt für jede Förderung eigene Erhebungslogiken aufzusetzen.

Sebastian Reißig mahnte zur Geduld: Wer ein Jahr lang an einem Demokratieprojekt arbeitet, wird am Ende nicht zufrieden sein. Gesellschaftlicher Wandel braucht langen Atem. Auch deswegen wünschen sich 81 Prozent der befragten Organisationen mehrjährige Förderzusagen.

 

Was wirksame Förderbeziehungen ausmacht

Vertrauen in einer Förderbeziehung braucht Zeit zum Wachsen. Vertrauensbasierte Förderung bedeutet deshalb nicht zwingend, sofort ungebundene Mittel bereitzustellen, sondern gemeinsam vom Ziel her zu denken: Was wollen wir erreichen? Was brauchen wir dafür an Beziehung, Zeit und Ressourcen? Was passiert, wenn das Projekt endet? Dieses Rückwärtsdenken vom Ziel her hilft dabei, eine gemeinsame Mission zu entwickeln und konkrete Unterstützungsmöglichkeiten zu finden, die zu den Bedarfen des Förderpartners, aber auch zur Stiftung passen.

Wenn Stiftungen zu Förderpartnern kommen und die Welt neu erfinden wollen, sei das schwer auszuhalten, so Petra Lölkes. Vertrauen entstehe dort, wo den Erfahrungen der Geförderten Gewicht gegeben wird: „Kluge Fragen bringen Dinge in Bewegung.“ Das heißt: Nachfragen und Zuhören. Was ist der nächste sinnvolle Schritt? Nicht um zu kontrollieren, sondern um gemeinsam die nächsten Schritte abzustecken.

Ein starker Partner im Segel trage durch schwere Zeiten, so Sebastian. Das Wissen, eine Stiftung an der Seite zu haben, an die man sich mit allem wenden kann, stärkt die Resilienz einer Organisation als Ganzes – ein Effekt vertrauensbasierten Förderns, wie die Daten des FörderMonitors zeigen.

Er sprach auch ein strukturelles Thema an: Jahrzehntelang haben zivilgesellschaftliche Organisationen in Ostdeutschland gelernt, sich auf Förderung von der öffentlichen Hand zu verlassen. Jetzt brauche es einen Mentalitätswechsel bei den Organisationen. Denn insbesondere beim Thema Demokratie sei finanzielle Unabhängigkeit wichtig, wenn sich politische Mehrheiten ändern.

Larissa Probst, Geschäftsführerin des Deutschen Fundraising Verbands, fragte daraufhin: „Wer hat schon einmal Förderung für Fundraising erhalten?“ Nur wenige Hände gingen hoch. Ihr Appell an Förderstiftungen: Investitionen in Fundraising seien dringend notwendig, um Organisationen zu befähigen, ihre Finanzierung diverser aufzustellen.

 

Was bleibt

Der Wille, genauer hinzuhören, ist da. Etwa die Hälfte der Teilnehmenden kam aus fördernden Organisationen, die andere Hälfte vertrat das „Team Förderpartner“. Aus dieser Mischung entstand Energie. Der Hunger nach Räumen für Austausch über wirksame Förderpraxis war deutlich spürbar.

Diesen Dialog möchten wir weiterführen: Wer mit uns über die Ergebnisse des FörderMonitors oder konkrete nächste Schritte sprechen möchte – sprecht uns an!

 

Der FörderMonitor ist ein Projekt von #VertrauenMachtWirkung in Kooperation mit dem Deutscher Fundraising Verband e.V. Die Umfrage wird von der Universität Hamburg wissenschaftlich begleitet.