Die zentrale Frage des fünften Labs lautete: Was macht eine gute Förderbeziehung aus – und wie gestalten wir sie bewusst? Tina Lagemann (Kinnings Foundation), Lizzy Wazinski (filia.die frauenstiftung) und Rahel Stauffiger (Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte) standen den Teilnehmenden als Expertinnen zur Seite.
Das fünfte Lab fand zum ersten Mal in Berlin statt: in der Orangerie Neukölln im Körnerpark – selbst ein Ort mit philanthropischer Geschichte. Der Vorabend beim gemeinsamen Essen bot Raum, um neue Mitglieder der Community kennenzulernen und bekannte Gesichter wiederzusehen. Henrike Terheyden, unsere Graphic Recorderin, war bereits im Einsatz und hielt in zwei „Flüsterbildern“ fest, was die Grants Management Community ausmacht und sich vom Lab erhofft.

Am nächsten Morgen, im Publix, führte Eva Schneider in das Thema Förderbeziehungen ein. Wenn wir über Förderbeziehungen sprechen, reden wir nicht über nette Kommunikation zusätzlich zur Förderung, sondern über das gesamte Verhältnis und alle Kontaktpunkte zwischen Stiftung und Organisation: rechtlich, administrativ, fachlich und zwischenmenschlich. Drei Merkmale prägen dieses Verhältnis:
Stiftungen tragen deshalb die Verantwortung, diese Beziehungen bewusst zu gestalten. Grants Manager*innen sind dabei in einer Schlüsselrolle.
Welche Hebel hat also eine Stiftung, gut funktionierende Förderbeziehungen zu gestalten? Der FörderMonitor 2026 liefert drei Beobachtungen.
Erstens: Transparenz entlastet. Die Förderbeziehung beginnt nicht mit der Bewilligung, sondern mit der Frage der fördersuchenden Organisation: Passt diese Stiftung zu uns – und habe ich eine realistische Chance? Viele Organisationen investieren einen großen Teil ihrer knappen Ressourcen in Anträge, ohne das einschätzen zu können. 70 Prozent der Befragten wünschen sich transparente Förderkriterien. Wer das nicht klar kommuniziert, verlagert den Aufwand auf die Förderpartner*innen.
Zweitens: Organisationen wünschen sich partnerschaftliche Förderung – verlässlich, flexibel und lernorientiert. 81 Prozent wünschen sich mehrjährige Förderzusagen, denn nachhaltige gesellschaftliche Veränderung entsteht selten in ein bis drei Jahren. Es ist auffällig, dass Stiftungen selbst meist auf Ewigkeit angelegt sind, um ihren Zweck zu erreichen, von Förderpartner*innen wird dies aber in viel kürzerer Zeit erwartet. Knapp 70 Prozent wünschen sich mehr finanzielle Flexibilität. Diese Strukturen signalisieren: Wir glauben an eure Arbeit, wir nehmen euch ernst. Hier übersetzt sich Vertrauen in operative Praxis.
Drittens: Vertrauen macht starke Organisationen. 95 Prozent der Förderpartner*innen schätzen die Effekte vertrauensbasierter Förderung positiv ein. Förderbedingungen sind wichtig – aber nicht alles. Gespräche prägen Förderbeziehungen.
Mit den fünf Skills für vertrauensvolle Förderbeziehungen, die Gemma Bull (Modern Grantmaking) zum Grants Managing Lab #2 mitgebracht hatte, kann mehr Vertrauen in die Förderbeziehungen gebracht werden: Zuhören, Empathie, Service Design, Partnerschaft und Kontext-Bewusstsein – zusammen die Magic Potion of Trust.
Im anschließenden Gespräch mit den drei Expertinnen wurde deutlich: Diese Erkenntnisse sind gelebte Praxis. Tina beschreibt, wie die Kinnings Foundation sich nicht primär als Geldgeberin, sondern als Ressource versteht – nahbar, herausfordernd, im permanenten Dialog mit ihren Förderpartner*innen. Lizzy berichtete vom langen und konfliktreichen Weg zu echter partizipativer Förderpraxis bei filia: Partizipation ist teuer, braucht Zeit und funktioniert nur, wenn sie voll und ganz umgesetzt wird.
Rahel nahm die Gruppe mit in den Prozess, mit dem die SKKG ihre Förderstruktur neu gedacht hat: konsequent zuhören, Feedback als handlungsleitendes Instrument, Reporting lieber mündlich als schriftlich.
Einig waren sich alle drei: Grants Manager*innen tragen eine Schlüsselrolle. Für diese Rolle braucht es besondere Fähigkeiten – vor allem die Bereitschaft zur Selbstreflexion, Machtsensibilität und, wie Tina es formulierte: nicht nur vertrauen, sondern zutrauen.
In den anschließenden Sessions vertiefte jede Gruppe mit einer Expertin ihr Thema:
Nach der Mittagspause folgte ein neues Format: das Kopfstandbrainstorming. Die Teilnehmenden entwickelten gute Lösungen für die Förderpraxis, indem sie zunächst bewusst falsch dachten – und fragten, was alles passieren müsste, damit eine gute Zusammenarbeit garantiert scheitert. Die drei Themen: Zusammenarbeit mit Gremien, Due Diligence und Umgang mit Konflikten.
Die Zutaten für Vertrauen, die die Expertinnen am Ende mitgaben: Wertschätzung und Machtsensibilität. Philanthropie als Liebe zu Menschen. Immer die Balance suchen. Und: Zeit für Selbstreflexion.
© Anne Barth
Die ausführliche Dokumentation zum Grants Managing Lab #5 findet ihr bald hier.
