Der Think Tank für rassismuskritische Forschung und BIPoC-Leadership zedela und Each One Teach One e.V., eine Community-basiertee Bildungs- und Empowerment-Organisation sowie ein Ort des Lernens und der Begegnung für Menschen afrikanischer Herkunft in Berlin, richten mit ihrer aktuellen Studie den Blick auf die Förder- und Finanzierungssituation Schwarzer, afrikanischer und afrodiasporischer Organisationen, Projekte und Netzwerke in Deutschland. Im Fokus steht die Frage nach Bedarfen und bestehenden Ausschlussmechanismen, mit dem Ziel, Impulse für eine inklusivere Förderlandschaft zu entwickeln.
Die Autor*innen können zeigen, dass Fördermittel aus öffentlichen Programmen und von Stiftungen zu den wichtigsten Finanzierungsquellen der untersuchten Organisationen zählen. Gerade Stiftungen werden von vielen als vergleichsweise flexible Förderpartner*innen wahrgenommen und spielen eine wichtige Rolle dabei, Projekte zu ermöglichen, Ressourcen aufzubauen und gesellschaftliche Teilhabe zu stärken. Gleichzeitig macht die Studie deutlich, dass – wie in allen Kontexten – strukturelle Rahmenbedingungen, wie kurzfristige Förderzeiträume, hohe Anforderungen oder Förderlogiken nicht immer eindeutig zu den Projekten passen und eine nachhaltige Planung häufig erschweren.
Zugleich stehen auch Förderinstitutionen selbst unterzunehmendem Druck. Kürzungen öffentlicher Mittel erhöhen die Nachfrage nach Förderungen bei privaten Stiftungen, während deren Ressourcen begrenzt bleiben. In diesem Kontext lässt sich ein Trend zu größeren Fördervolumen bei gleichzeitig geringerer Anzahl an Förderungen beobachten. Für einzelne Organisationen kann dies Vorteile bringen, gleichzeitig besteht jedoch die Gefahr, dass die Breite der Schwarzen, afrikanischen und afrodiasporischen Organisierungslandschaft weniger erreicht wird.
Die Interviews mit Vertreter*innen von Förderinstitutionen zeigen zudem, dass einige beginnen, ihre eigene Rolle kritischer zu reflektieren. Thematisiert werden etwa die weiße, westdeutsche Prägung vieler Institutionen, fehlendes Wissen über Schwarze soziale Bewegungen oder die geringe Repräsentation Schwarzer Perspektiven in Entscheidungsgremien. Diese Auseinandersetzung ist jedoch häufig noch relativ neu und hat bislang nur vereinzelt zu strukturellen Veränderungen geführt.
Ein weiterer zentraler Befund betrifft den im Fördersektor verbreiteten Professionalisierungsdiskurs. Kriterien wie Sichtbarkeit, Organisationsgröße, Rechtsform oder Vernetzung mit Förderinstitutionen prägen häufig die Wahrnehmung von Förderwürdigkeit. Für viele Organisationen entsteht daraus ein widersprüchliches Anforderungssystem: Einerseits wird erwartet, aktiv Beziehungen zu Förderinstitutionen aufzubauen, andererseits darf dieses Engagement nicht als zu präsent erscheinen. Gleichzeitig werden kleinere Akteur*innen häufig aus einer Defizitperspektive betrachtet, während ihre Nähe zu Communitys und ihr direkter gesellschaftlicher Impact weniger Anerkennung finden.
Die Studie formuliert daraus konkrete Handlungsempfehlungen für eine inklusivere Förderpraxis: Sie lädt Förderinstitutionen dazu ein, ihre bestehende Praxis weiterzuentwickeln – etwa durch die Erweiterung von Förderzielen, eine proaktive Ansprache potenzieller Antragsteller*innen, niedrigschwelligere Antragsverfahren oder eine strukturelle Förderung von Organisationsentwicklung. Auch eine aktivere Vernetzung mit Schwarzen, afrikanischen und afrodiasporischen Akteur*innen wird als wichtiger Schritt benannt.
Stiftungen erhalten mit dieser Studie nicht nur eine fundierte Analyse der aktuellen Situation. Sondern auch eine Grundlage, um ihre bestehenden Förderansätze weiterzuentwickeln: Für eine bessere Berücksichtigung der Vielfalt zivilgesellschaftlicher Perspektiven und langfristig eine Stärkung der Strukturen Schwarzer, afrikanischer und afrodiasporischer Organisierung in Deutschland.