Scaling Up, Spending Down & The Dark Side of Sunsetting

Zwischen Abbau von Machtstrukturen und Risiken für geförderte Communities.

Scaling Up, Spending Down

Sunsetting: die bewusste Entscheidung, eine Stiftung innerhalb eines festen Zeitraums vollständig aufzulösen und sämtliche finanzielle Mittel zu verausgaben, statt auf Ewigkeit anzulegen.  Ein Vorgehen, das zunehmend als Gegenentwurf zur aktuell üblichen Stiftungspraxis gefeiert wird – der „Verwaltung von Knappheit“, wie es Ivan March von der Guerilla Foundation in seinem Essay „Scaling Up, Spending Down“ formuliert. Ewigkeitsstiftungen, die jährlich nur einen Bruchteil ihres Vermögens ausschütten, hätten ein strukturelles Interesse am Fortbestehen der gesellschaftlichen Probleme, die sie eigentlich lösen sollen, so March. Ein entschlossenes Spend-down hingegen durchbricht diesen Kreislauf und macht das Stiftungsvermögen zum Treibstoff für maximale Wirkung.

The Dark Side of Sunsetting

Aber mit dem “Sunsetting” geht ein ambivalentes Bild einher, wie Ivan March in “The Dark Side of Sunsetting” beschreibt: Auf jede Stiftung, die ihre Auflösung mit strategischer Umsicht gestaltet, kommen mehrere, deren Ausstieg wichtige zivilgesellschaftliche Infrastruktur beschädigt zurücklässt. Das liegt daran, dass Zeitdruck im Stiftungswesen häufig zu überhasteten Entscheidungen führt, teilweise bis hin zu chaotischen Schließungen, die geförderte Organisationen unvorbereitet zurücklassen. Der Autor benennt dabei eine grundlegende Machtasymmetrie: Stiftungen bestimmen selbst über Zeitpunkt und Bedingungen ihres Ausstiegs, während die Konsequenzen bei geförderten Organisationen und den Menschen, die sich auf sie verlassen, liegen. Besonders riskant wird es, wenn mehrere Stiftungen ein Themenfeld gleichzeitig oder in überlappender Abfolge verlassen, ohne sich untereinander abzustimmen – dann drohen ganze Förderökosysteme ohne Nachfolgeregelung zu verschwinden.

Der Essay bleibt jedoch nicht bei der Kritik stehen: March stellt Beispiele nachhaltiger, vorausschauender Stiftungsschließungen vor, skizziert, wie ein verantwortungsvoller Abschied aussehen kann, und liefert eine praktische Checkliste für Stiftungen, die einen Sunset planen. Sein Fazit: Sunsetting bleibt eines der wirkungsvollsten Instrumente der Philanthropie, um gebundenes Vermögen in gesellschaftliche Veränderung umzuwandeln. Aber wie jedes mächtige Werkzeug kann, es in unachtsamen Händen erheblichen Schaden anrichten.

Hier geht’s zum ersten und zum zweiten Essay.